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Di, 27-09-2005
Am vorgestrigen Sonntag lief im Rahmen der Hamburger Filmfestspiele
FACTOTUM. Der Regisseur, Bent Hamer, war anwesend und beantwortete
dem Publikum anschließend Fragen. Er ist ein ganz unscheinbarer,
ruhiger Mensch. Sehr sympatisch. Danach hatte ich ihn für ca. 30
min allein zu einem Interview. Letzteres muss ich erst mal
transkribieren. Es wird in jedem Fall im nächsten Jahrbuch der
Bukowski-Gesellschaft erscheinen.
Eine kurze Filmkritik schonmal hier:
Wie jeder weiss, ist eine der Schwachstellen des Romans FACTOTUM,
dass er (auch bedingt durch die lange Entstehungszeit von 4 Jahren)
nicht aus einem Guss ist, sondern sehr zerrissen daher kommt. (Man
kann das auch positiv umdeuten, indem man argumentiert, die
Zerrissenheit des darin geschilderten Lebens käme so besser zum
Ausdruck.)
Der Film schließt seine äußere Form bewusst an diese Vorgabe
an. Im Klartext: Es ist ein Episodenfilm.
Wer den klaren, dramaturgischen Handlungsfaden braucht, wird ein
bißchen in der Luft hängen. "Handlung" im klassischen Sinn,
überhaupt jegliche narrativen Elemente fehlen fast völlig.
(Dagegen ist BARFLY ein griechichsches Drama). Das muss kein
Nachteil sein, aber man muss es wissen, am besten vorher. Die
Erwartungshaltung muss stimmen, dann kann man diesen Film auch
genießen.
Der Film lässt sich Zeit. Er ist stellenweise von einer
Langsamkeit durchdrungen, die Kaurismäki zum Actionfilmer
mutieren lässt. Ein Film also, zum Zurücklehnen, zum
Durchatmen. Hat man dabei eine Flasche Roten ins Kino
geschmuggelt - umso besser!
Dass Matt Dillon brillant spielt wurde schon mehrfach gesagt.
Dem kann man sich nur anschließen. Auch die anderen Darsteller
liefern saubere, glaubwürdige Arbeit.
Sound und Musik sind eine wahre Freude. Mit viel Gespür
ausgewählt und virtuos abgemischt. Dazu kommt die Stimme von
Matt Dillon, die rau und ruhig, unaufgeregt spricht und aus dem
off rezitiert. Die Songs der finnischen Sängerin Kristin
Asbjornsen sind ein musikalisches Kleinod.
Zum "Inhalt" muss in diesem Kreis sicher nichts gesagt werden.
FACTOTUM beschreibt Bukowskis "Lost Years", als er von einem Job
zum nächsten tingelte und mit Jane Baker (in Buch und Film JAN)
zusammen war. Bent Hamer verlegt aber die Handlung aus den späten
40er und frühen 50er Jahren in eine, wie er selbst es im
Gespräch nannte "unbestimmte Zeit". Daher auch die zunächst
etwas irritierende Requisite, die mühelos uralte Autoklassiker
(mit Notsitz) neben relativ modernen Wagen zulässt, oder z.B.
ganz selbstverständlich Arbeitsplätze mit Computern (etwa auf
dem Niveau von 1980) ausstattet.
Die Stimmung des Films ist dem Thema adäquat umgesetzt. Sehr
"plain", sehr trostlos. Das ganze Kaputte dieses Lebensstiles
ist auf völlig undramatische Weise ständig präsent.
Für das gesamte Feeling des Films gilt der (Bukowski-)Text
aus dem Schlußsong von Asbjornsen:
"It's just a slow day moving into a slow night.
Everything just stays the same.
It doesn't matter, what you do ..."
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