...Der Kerl, der das Bordell leitete, sah amerikanischer als jeder Amerikaner aus.
Er trug einen Pullover und ein sauberes, gepflegtes Hemd und gepflegte Hosen und
blankgewienerte Schuhe. Er war ein Angeber. Ich konnte ihn vom ersten Augenblick an
nicht leiden.
Sein Freund war dasselbe in Grün. Sie stolzierten ganz vorsichtig herum, als wenn sie
Angst hätten, Falten in ihre Sachen zu machen, und genauso setzten sie sich auch
hin, zogen ihre Hosenbeine hoch, und sie hielten ihre Gläser
vor sich,
voller Selbstbewusstsein; sie tranken nicht wegen des Trinkens,
sondern damit jeder sah, dass sie tranken.
Was für Zuhälter waren das eigentlich?
Der von ihnen, der am wichtigsten tat, sprach kein Englisch, und ich sprach kein
Deutsch. Er erinnerte mich an die Burschen mit den amerikanischen Gesichtern, die in den
Fernsehshows in Amerika auftreten - ganz glatte Gesichter, Masken von Gesichtern,
gefühllose Gesichter mit dem Mund einer Schnecke und auswendig gelernten
Späßen - sie sind harmloser Balsam, keine Gefahr für die amerikanische Heimstatt oder
Amerika als Institution.
Sie sahen noch nichtmal aus, als hätten sie Ärsche, die sie
sich auswischen müssten.
Wahrscheinlich hatten sie noch nichteinmal einen Bauchnabel, oder falls doch,
so war er sternförmig und mit Konturen aus Goldstaub.
Er sprach also kein Englisch und ich kein Deutsch, ich legte mir also mein
Deutsch zurecht, erfand es einfach und putzte ihn gehörig runter.
Er hörte zu.
Er rauchte seine Zigarre in genau der gleichen Art, wie er trank; als wenn er
sagen wollte: hier, schaut mich an, ich rauche Zigarre.
Ich schnappte ihm die Zigarre aus dem Mund weg und machte einen Zug, um ihm
zu zeigen, wie man Zigarre raucht - völlig entspannt und natürlich
...
(Charles Bukowski: Die Ochsentour,
Augsburg: Maro 1980 / Frankfurt: Fischer 1982, S.104)