Liebe(r) Bukowski-Freund(in)!

Die 8. Ausgabe unseres Newsletters beinhaltet diesmal eine topaktuelle Nachbetrachtung zum Vortrag „Schopenhauer – Nietzsche – Bukowski“ unseres Vorstandsmitgliedes Roni bei der Schopenhauer-Gesellschaft in Frankfurt. Außerdem hat Markus Kühn eine Rezension zur Anthologie des „Charles Bukowski Memorial Award“ verfasst.

Falls das Datum des heuer zum 8. Mal stattfindenden Bukowski-Symposiums im letzten Newsletter etwas untergegangen sein sollte, sei es hier nochmals erwähnt: 11.08.-13.08. Andernach/Rhein.

Der nächste Newsletter wird Ende Juli / Anfang August erscheinen und u.a. den Programmablauf des Symposiums enthalten. Die eine oder andere Rezension ist ebenfalls geplant. Infos zum Symposium werden unter http://www.bukowski-gesellschaft.de/news.htm ebenfalls zeitgerecht zu finden sein.

Bei amazon.de kann man übrigens seit rund einem Monat den englischen DVD-Import von „Factotum“ bestellen! Wir wünschen schon jetzt allen einen schönen Sommerbeginn, und falls ihr Neuigkeiten bzgl. Bukowski hört bzw. selber Projekte mit BUK-Bezug plant, dann schickt uns doch ein paar Zeilen darüber an markus@bukowski-gesellschaft.de. Wir sind für jeden auch noch so kleinen Hinweis dankbar!


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BERICHT ZUM VORTRAG SCHOPENHAUER – NIETZSCHE – BUKOWSKI

- von Roni -

Letzten Sommer hatte ein Vertreter der Schopenhauer-Gesellschaft in Frankfurt meinen Artikel im Jahrbuch 2004 über Parallelen bei Bukowski, Nietzsche und Schopenhauer gelesen. Er fand das Thema wohl genauso spannend wie ich und fragte an, ob ich nicht mal meine Thesen in Frankfurt vorstellen möchte.

Am Freitag, 28. April war es soweit. Ich hielt meinen ersten Bukowski-Vortrag vor Fremden. Und das ging so:

Ich bin in einer Pension untergebracht, die man netterweise nach unserer Geschäftsführerin benannt hat, Diana. Dusche dort und kehre auf dem Weg zum Vortrag bei 'Sushi-Circle' ein. Feine Maki am laufenden Band. Dann zur Heussenstamm-Stiftung.

Der Abend kann losgehen.

Ein aufgeschlossenes und interessiertes Publikum, das sich hauptsächlich aus dem Dunstkreis der Schopenhauer-Gesellschaft zusammensetzt. Die Leutchen haben sich richtig vorbereitet: Einige haben uralte Bukowski-Bücher vorgekramt und Dr. Thomas Regehly, der mich zu dem Vortrag eingeladen hatte, ist sogar soweit eingelesen, dass er zur Einführung ein Zitat von Bukowski über die Philosophie präsentieren kann. Alle Achtung.

Die Gemeinsamkeiten zwischen Schopenhauer, Nietzsche und Bukowski sind vielfältig. Meine Liste an diesem Abend:

Vom unbeugsamen, kompromisslosen Charakter
zum pessimistischen Welt- und Menschenbild,
der Abneigung gegen die Massen
und im Gegenzug Heroisierung des Individuums,
bis hin zum Geniekult.
Von der Wahrhaftigkeit, der Unverlogenheit,
der Klarheit im Stil und der Polemik,
bis zur Einsicht in das Leiden der Welt
und zur Bewältigungsstrategie der Stoa, der Gelassenheit.

Da ist schnell eine Stunde gefüllt. An herrlichen Zitaten mangelt es bei allen Dreien nicht.
Am Ende bringe ich das Gedicht 'How is your heart' mit dem berühmten Schluss:
"What matters most is, how well you walk through the fire." - "Das Entscheidende ist, wie gut man durchs Feuer geht."

Die anschließende Fragerunde zeigt noch mal, wie verständig meine Zuhörer sind: Es werden durchweg intelligente Fragen gestellt. Über Buks Verhältnis zu anderen Schriftstellern, zu Frauen, zum Feminismus, zu seiner Tochter, zum Selbstmord, zur intellektuellen Szene, etc.; - das geht erneut fast eine Stunde. Prima Leute.

Schließlich mit einer kleinen Entourage in eine Kneipe namens Metropol. Hübscher Laden. Nettes Geplauder, u.a. mit Tom Blume von der Dostojewski-Gesellschaft, dem ich mal ein paar Buk-Zitate über Dosto raussuchen werde. Mit meinem Gastgeber, Thomas Regehly, tausche ich Bücher: Bukowskis Briefe gegen 'Schopenhauer und die Künste'.

Wir sind die letzten, die gehen. Natürlich. Ich hätte eigentlich noch Durst, aber seien wir ehrlich - auch für mich ist im Grunde höchste Bettzeit. Der Künstler Frank Grüttner, der ein sehr brauchbares Schopenhauer-Portrait gemalt hat (http://www.schopenhauer.de/310305gruettner.htm), begleitet mich zum Hotel und hört sich geduldig mein besoffenes Gelaber an. Feine Menschen, diese Schopenhaurianer!

Am nächsten Tag noch kurz in den Zweitausendeins-Laden, ins Cafe Wacker und zum Abschluss noch mal Sushi. Dann Richtung Bahnhof.

Nach einem derart geglückten Wochenende muss natürlich zum Schluss was schief gehen: Ich komme gerade rechtzeitig auf den Bahnsteig, um meinen Zug abfahren zu sehen. Das Elefantenweibchen am Kartenschalter weigert sich, mein Ticket umzuschreiben - ich soll noch mal 22,- EUR blechen, um nach Hause zu dürfen. Endlich - mein Weltbild ist wieder im Lot!
Ich muss also trampen, bleibe am Flughafen Frankfurt stundenlang hängen und komme mit heftiger Verspätung in Bamberg an, wo ich mir einen schönen weißen Wein aufmache und den Bericht für unseren Newsletter tippe.

(c) 2006 by roni – honorarfreier Nachdruck (auch auszugsweise) nur gegen Belegexemplar!
roni@bukowski-gesellschaft.de


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Rezension zu
„Ekelhaft – Sowas hätte es früher nicht gegeben“.
Herausgegeben von Alois Gmeiner.
Gmeiner Ideenmanufaktur. BoD GmbH, Norderstedt 2004. ISBN 3-8334-0985-1. 202 S.


„Ekelhaft – Sowas hätte es früher nicht gegeben“ steht im Zeichen des ‚white trash‘ und beinhaltet die Gewinner des ‚White Trash Literatur Wettbewerbs 2003‘ alias ‚Charles Bukowski Memorial Award‘. Mit Trash und Bukowski ist die Richtung vorgegeben: „Das Härteste. Wildeste. Abgefahrenste. Trashigste. Das neue deutschsprachige Literaten zu bieten haben!“ verkündet die Eigenwerbung auf dem Cover.

Schlägt man dasselbige auf, bekommt der Leser eine bunte Mischung offeriert, die ein breites Spektrum an Schreibqualität anbietet, die mehr an einen Werkstattband erinnert, denn an eine konsequente Auswahl von versierten Literaten. Ein Teil der Texte erinnert mehr an Schreibexperimente, denn an den gefestigten Stil und die Verve einer erfahrenen Hand. Ein anderer Teil besticht durch Kunstfertigkeit, Originalität und literarischer Sicherheit. So führen zum Beispiel Rainer J. Hocher, Max Cynowski und Ilona R. Meyer die formvollendete Prosalyrik im besten bukowski’schen Stile weiter. Nach scharfgezeichneter, gradliniger Kurzprosa, wie Bukowski sie beherrschte als Meister der short story, sucht man jedoch vergebens.

Zweiundvierzig ausgesuchte Autoren des Awards bietet diese Anthologie an. Mit einer bunten Mischung aus Kurzprosa, Lyrik, Aphorismen, sachlichen Beschreibungen und Experimental-Texten, die ich keiner bisher vorherrschenden Gattung zuordnen kann.

Die Inhalte der Beiträge zielen darauf ab, Ekel zu erzeugen oder sich mit Bereichen zu beschäftigen, in denen Ekel Grundthema ist. Ähnlich wie Bukowski oft ein Leben am Rande des Ekels führte und dies in Prosa und Lyrik fasste. Manchmal ist dies in den Texten der Anthologie gelungen, oft aber auch nicht.

Bei der Mehrheit der Texte steht der e-mail-account des Autors oder der Autorin, so dass eine direkte Kontaktaufnahme mit den Verfassern möglich ist.

Als Buchpublikation ist dieser Band sehr außergewöhnlich: die Diskrepanz in der Qualität der Beiträge, die Themen der Beiträge, die Anlehnung an Bukowski, der offene Zugang zu den Autoren.

Dennoch lohnt sich ein Blick in dieses Buch, kann man doch die unterschiedliche Güte von Schriftstücken direkt vergleichen, sich ein Bild machen, in welcher unterschiedlichen Qualität Einsendungen bei einer Ausschreibung eingehen und welche erfahrenen wie unerfahrenen Nachfolger Charles Bukowski hat, mit denen man sogar direkt Kontakt aufnehmen kann.

Für diese Zwecke ist „Ekelhaft – So was hätte es früher nicht gegeben“ wie geschaffen.

copyright (c) by Markus Kühn


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Die bisherigen Newsletter der Bukowski-Gesellschaft können auch online eingesehen werden. Die URLs:

http://www.bukowski-gesellschaft.de/Newsletter_01.htm

bzw.

http://www.bach-bukowski.nl/paginas/nieuwsl_cbg1.htm

Die laufende Nummer am Ende geht bisher bis Nummer "08" bzw. "8". Künftige Newsletter werden analog benannt.


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Euer Vorstand der CBG e.V.

Michael Schmelich - Präsident vorstand@bukowski-gesellschaft.de

Markus Prem - stv. Präsident markus@bukowski-gesellschaft.de

Diana Liebig - Geschäftsführerin diana@bukowski-gesellschaft.de

Roni - Referent für internationale Kontakte roni@bukowski-gesellschaft.de

Peter Knöschke - Kassenwart peter@bukowski-gesellschaft.de

Fragen und Anregungen unsere Website http://www.bukowski-gesellschaft.de/ betreffend
nimmt Roni gerne entgegen: roni@bukowski-gesellschaft.de

Redaktion des Newsletters: Markus Prem markus@bukowski-gesellschaft.de http://home.pages.at/schida/premarkus/


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Rechtshinweis:

Seit dem 20.08.2003 ist das neue Telekommunikationsgesetz (TKG 2003) in Kraft.

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