Liebe(r) Bukowski-Freund(in)!

„Eine mittlere Bukowski-Lawine“ nennt die neue Seite des Hamburger Verlages
Gingko Press http://www.gingkopress.com/bukowski.htm jene Aktivitäten, die
uns in den nächsten Monaten rund um BUK auf Trab halten werden! Neben einem
halben Dutzend neuer Buchtitel sind dies vor allem der Kinostart von
„Factotum“ am 08.12. [mit Matt Dillon in der Hauptrolle] sowie die
Veröffentlichung der bis dato besten Bukowski-Dokumentation „Born into This“
(Regie: John Dullaghan] auf DVD [bisher in Australien und Frankreich – als
Doppel-DVD! - erschienen]. Der Schweizer Kanal SF1 brachte am 06.11. eine
1-stündige Zusammenfassung dieser Doku. Und am 17.12. folgt auf ARTE ein
Interview mit Carl Weissner und Matt Dillon!

In der Zwischenzeit wird wohl auch jeder sein Exemplar jenes Buches am
Nachtkästchen liegen haben, das Ekkehard Faude in der Oktober-Ausgabe von
BuchMarkt als „einsamer, scharfkantiger, leuchtender Eisberg im Gescholle
der Bücher dieses Jahres" bezeichnet: Charles Bukowskis „Schreie vom Balkon.
Briefe 1958-1994“. [Gingko Press, Hamburg 2005]

Und mit einem Gastkommentar über eine Veranstaltung, der viele von uns wohl
gerne beigewohnt hätten, wollen wir in diese sechste Ausgabe unseres
Newsletters starten:

--------------------------------------


LANG ERWARTET - DIE VORSTELLUNG DER BUKOWSKI-BRIEFE IN HAMBURG

- von Roni -

Hamburg, 14. Oktober 2005: Endlich erscheinen die großartigen Briefe
Bukowskis auf Deutsch. Zwar nur in Auswahl, aber schon das macht satte 560
Seiten. Zur Präsentation dieses Backsteins von einem Buch lädt Gingko-Press
in die hauseigenen Räume. Ich vertrete an diesem Abend die
Bukowski-Gesellschaft und erscheine in angenehmer weiblicher Begleitung.

Gleich am Eingang bekommt man Champagner in die Hand gedrückt. Eine nette
Geste. Als erstes treffe ich Armin Abmeier, Freunden unserer Gesellschaft
vielleicht bekannt als "ein total Verrückter" (Zitat Benno Käsmayr,
MaroVerlag), der Anfang der 70er maßgeblich zum Erfolg des ersten deutschen
Bukowski-Gedichtbandes („Gedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk
aus dem Fenster sprang“) beitrug. Wir plaudern und er macht mich mit einigen
Verlagsvertretern bekannt. Dieses Briefe-Buch ist zu einem Teil auch sein
Baby, er hat sich da sehr engagiert.

Dann geht es zur Lesung. Mo Cohen, der Chef von Gingko, der ein bisschen
aussieht wie Danny DeVito mit schwarzen Löckchen, wuselt aufgeregt umher
und treibt alle in den Showroom. Dort ist es eng aber schön. Mit einem weiteren
Champagner in der Hand macht es auch nichts, dass ich, wie viele, nur noch
einen Stehplatz ergattere.

Carl Weissner, der Übersetzer, Freund und Sargträger von Bukowski, hält eine
treffende, leider kurze Vorrede. Er behauptet, "dass in punkto
Briefeschreiben bei Bukowski nur zwei Kollegen mithalten können, nämlich
Kafka und Mozart". Ich würde das jederzeit unterschreiben; vielleicht noch
Van Gogh dazunehmen.

Dann tritt die Schauspielerin Marie Bäumer ('Der Schuh des Manitu') auf,
entledigt sich gekonnt ihres Mantels, zeigt elegant Bein und postiert sich
hinter dem Lesepult. Daneben ein Mann mit singender Säge. Das erinnert an
Tom Waits 'Black Rider'. Auch die nachfolgenden Klangeskapaden dieses Herren
auf diversen Nicht-Instrumenten riechen Waits-inspiriert.

Die Lesung von Marie Bäumer ist etwas Neues: Das erste mal, dass ich eine
Frau Bukowski lesen höre. Schwer, sich das vorzustellen. Ein Vorteil ist,
dass sie nicht in Machogehabe oder DirtyOldMan-Getue verfällt wie manche
Männer. Sie macht das ganz ordentlich. Obwohl sie - wie immer wenn
selbstbewusste Schauspieler auftreten - etwas stärkere Betonung einsetzt,
als man es bei Bukowski für nötig halten würde. (Zumindest wenn man dessen
eigenen, gleichmütigen Singsang im Ohr hat.)

Nach der Lesung gibt es weiter Erlesenes zu Trinken und die jungen Leute der
Cateringfirma 'The Foodists' reichen raffinierte Häppchen. Mo Cohen hat sich
den Abend einiges kosten lassen. Ich werde Carl Weissner vorgestellt und wir
wechseln ein paar Sätze. Er ist natürlich ein Star und wird umschwärmt. (Die
charmante Marie Bäumer bewundere ich nur scheu aus der Ferne und den
Augenwinkeln.)

Später am Abend komme ich intensiver mit Weissner ins Gespräch. Wir
unterhalten uns über die Aktivitäten der Buk-Gesellschaft und andere
Bukowski-Themen. Er ist ein ruhiger, sympathischer Zeitgenosse. Kein
bisschen laut oder aufbrausend. Zweifellos Eigenschaften, die Buk an ihm
geschätzt hat.

So vergeht die Zeit mit Wein und Geplauder. Die 'Foodists' räumen gerade ab
und es sind nur noch eine Handvoll Leute da, als wir aufbrechen. Es ist weit
nach Mitternacht, inzwischen der 15. Oktober, also Geburtstag von Friedrich
Nietzsche - auch ein prima Breifeschreiber.

[Abdruck mit Namensnennung honorarfrei - nur nach voriger Absprache mit dem
Autor. Kontakt: roni@bukowski-gesellschaft.de]

--------------------------------------


Rezension zu Charles Bukowski: „Schreie vom Balkon. Briefe 1958 – 1994“
[Gingko Press, Hamburg 2005]

- von Markus Prem -

Das Warten hat sich gelohnt. Bereits seit Jahren übersetzt, warteten die
Werke des „neben Kafka und Mozart besten Briefeschreibers“ [Carl Weissner]
bisher nur auf einen geeigneten Verlag und die für so ein Mammutprojekt
nötige, liebevolle Betreuung. Mit der Hamburger Gingko Press
[ http://www.gingkopress.com ] und dem Verlagsvertreter Armin Abmeier wurde
ein solches „Dreamteam“ gefunden. Dass sich zwischen den Buchdeckeln des
schon bibliophil zu nennenden Werkes auch erstmals siebzig [von ca.170]
unveröffentlichte und an Übersetzerlegende Carl Weissner adressierte Briefe
befinden, macht mehr als wett, dass es sich hier „nur“ um eine
Auswahlübersetzung der drei amerikanischen Originalausgaben „Screams From
The Balcony: Selected Letters 1960-1970“ [Black Sparrow Press, Santa Rosa
1993], „Living On Luck: Selected Letters 1960s-1970s“ [Black Sparrow Press,
Santa Rosa 1995] und „Reach For The Sun: Selected Letters 1978-1994“ [Black
Sparrow Press, Santa Rosa 1999] handelt. Detaillierte Anmerkungen und
ausführliche Register über sämtliche Briefempfänger, alle erwähnten Bücher,
Stories und Gedichte Bukowskis sowie Magazine, Zeitungen und Verlage, in
denen BUK vertreten war, machen dieses Buch darüber hinaus bereits zu einem
bedeutenden Werk über die amerikanische Literaturgeschichte des 20.
Jahrhunderts.

In den kommenden Monaten wird Übersetzer Carl Weissner für Lesungen zur
Verfügung stehen. Aktuelle Termin werden u.a. auf der Bukowski-Page der
Gingko Press angekündigt: http://www.gingkopress.com/bukowski.htm

--------------------------------------


Rezension zu Charles Bukowski: „Nackt bei 33 Grad“ [dtv, München 2005]

- von Markus Prem -

Hinter diesem neuen Titel verbirgt sich der dickste Bukowski-Gedichtband,
der momentan über den regulären Buchhandel zu bekommen ist. Und zwar handelt
es sich um eine Kopplung der schon seit ein paar Jahren vergriffenen
Einzeltitel „Pacific Telephone“ und „Die Girls im grünen Hotel“ [zusammen
als „Eine Kinoreklame in der Wüste“ 1982 im Verlag Zweitausendeins
erschienen] sowie „Die letzte Generation“ [Kiepenheuer & Witsch, Köln 1988].
400 prall gefüllte Seiten mit süß-sauren Perlen wie „Als ich das erste Mal /
in deine Bude kam / schaute ich mich um / und alles war verdreckt / aber du
warst der erste / Mann in meinem Leben / der keinen Fernseher / hatte, und
in dem / Augenblick hab ich / beschlossen, mit dir / ins Bett zu gehen.“
Entnommen den amerikanischen Originalausgaben „Love Is a Dog from Hell:
Poems 1974-1977“ [Black Sparrow Press, Santa Barbara 1978], „Play the Piano
Drunk Like a Percussion Instrument Until the Fingers Begin to Bleed a Bit“
[Black Sparrow Press, Santa Barbara 1979] sowie „War All the Time: Poems
1981-1984” [Black Sparrow Press, Santa Barbara 1984].

Nach den logischen Zusammenführungen der beiden Gedichtbände „Nicht mit
sechzig, Honey“ und „Gedichte vom südlichen Ende der Couch“ [dtv 12392,
München 2000], der Wiederveröffentlichung des lange Zeit vergriffenen Bandes
„Western Avenue“ [dtv 13268, München 2003] ist diese Neuedition dreier schon
seit Jahren vergriffener Titel eine weitere verdienstvolle Veröffentlichung,
der weitere Taschenbuchlizenzausgaben hoffentlich bald folgen mögen. Jene
von „Auf dem Stahlroß ins Nirwana“ [Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996] und
„Umsonst ist der Tod“ [Kiepenheuer & Witsch, Köln 1999] wären besonders
wünschenswert!

--------------------------------------


Sonstiges:

Das schon für 2003 in der Verlagsgruppe Patmos angekündigte Hörbuch
„Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stock aus dem Fenster sprang“
wird nun definitiv nicht erscheinen!

Die beiden erfolgreichen Musikprojekte „bach-bukowski“ bzw. „Bukowski Waits
For You“ werden auch in den kommenden Monaten Auftritte absolvieren. Nähere
Infos unter http://www.bach-bukowski.nl bzw. http://www.bukowski-waits.de/

--------------------------------------

Die bisherigen Newsletter der Bukowski-Gesellschaft können online eingesehen
werden. Die URLs:

http://www.bukowski-gesellschaft.de/Newsletter_01.htm

bzw.

http://www.bach-bukowski.nl/paginas/nieuwsl_cbg1.htm

Die laufende Nummer am Ende geht bisher bis Nummer „05“ bzw. „5“. Künftige
Newsletter werden analog benannt.

--------------------------------------

Der nächste Newsletter soll dann Mitte Februar erscheinen. Ein Gastkommentar
ist ebenfalls wieder eingeplant. Noch eine schöne Punsch- bzw. Adventzeit
allerseits und falls ihr Neuigkeiten bzgl. Bukowski hört bzw. selber
Projekte mit BUK-Bezug plant, dann schickt uns doch ein paar Zeilen darüber
an markus@bukowski-gesellschaft.de. Wir sind über jeden auch noch so kleinen
Hinweis dankbar! See ya in 2006…


Euer Vorstand der CBG e.V.

Michael Schmelich - Präsident
vorstand@bukowski-gesellschaft.de

Markus Prem - stv. Präsident
markus@bukowski-gesellschaft.de

Diana Liebig - Geschäftsführerin
diana@bukowski-gesellschaft.de

Roni - Referent für internationale Kontakte
roni@bukowski-gesellschaft.de

Peter Knöschke – Kassenwart
peter@bukowski-gesellschaft.de

Fragen und Anregungen unsere Website
http://www.bukowski-gesellschaft.de/
betreffend nimmt „Webmaster“ Roni gerne entgegen!
roni@bukowski-gesellschaft.de

Redaktion des Newsletters: Markus Prem
markus@bukowski-gesellschaft.de
http://home.pages.at/schida/premarkus/

--------------------------------------


Wer kein Interesse [mehr] an diesem kostenlosen Service hat, möge bitte mit
einem LEEREN mail antworten.

Rechtshinweis:

Seit dem 20.08.2003 ist das neue Telekommunikationsgesetz (TKG 2003) in
Kraft.

Die Empfängerliste dieses Mailings wurde selbstverständlich nach §107, Abs. 2
E-Commerce-Gesetz abgeglichen.

Gemäß diesem §107 ist das Versenden von Werbe-eMails an Firmen und
Unternehmer gestattet. Voraussetzung ist, dass der Empfänger der Nachricht
die Möglichkeit hat, den Empfang weiterer Nachrichten zu verweigern (indem
Sie uns mitteilen, Ihre Adresse aus unserer Liste zu löschen). Sie können
das Gesetz jederzeit unter folgendem Link einsehen: http://www.rtr.at/

Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr erhalten wollen, so antworten Sie
einfach mit einem LEEREN eMail und Sie werden aus dem Empfänger genommen!