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Der zweite Roman, entstanden zwischen 1970 und 1974, handelt von Bukowskis Zeit als Rumtreiber im Amerika der 40er Jahre. Die lange Entstehungszeit, ständig durchkreuzt von langen Pausen, schuf ein künstlerisch problematisches Buch. Trotz der offensichtlichen Schwächen gibt es aber auch hier sehr schöne Momente. |
| Faktotum beginnt mit
Henry Chinaskis Ankunft in New Orleans. Er hatte Los Angeles verlassen um hier sein Glück zu versuchen. Hoch hinaus will er nicht. Üblicherweise sucht er sich ein billiges Zimmer und einen billigen Job und will ansonsten nur, dass man ihm seine Ruhe lässt. So auch diesmal. | |
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Ich ging wieder zurück in meine Absteige. Am hinteren Ende des schmierigen Korridors gab es ein Badezimmer. Ich nahm ein heisses Bad. Dann zog ich mich wieder an, ging raus und kaufte mir eine Flasche Wein. Zurück in meinem Zimmer setzte ich mich ans Fenster, trank, sah mir die Leute in der Bar und die Passanten auf der Strasse an. Ich trank langsam meinen Wein und überlegte wieder einmal, ob es nicht besser wäre, wenn ich mir eine Knarre kaufte und es rasch hinter mich brachte - ohne viel Nachdenken und Reden. Ich musste nur den Mut dazu aufbringen. Mein Mut machte mir Sorgen. | |
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Chinaski hangelt sich erfolglos von einem Job zum nächsten. Eine Weile wohnt er wieder bei seinen
Eltern. Die sind brave Bürger, die seine Lebenseinstellung nicht verstehen und ihn
vor die Tür setzen. Er zieht wieder los, diesmal nach St. Louis, schreibt kleine Stories, wie John Fante, und pflegt seine Angst vor menschlicher Nähe. Endlich scheint er etwas Glück zu finden, als ein Mädchen sich in ihn verliebt und eine seiner Geschichten veröffentlicht wird, doch das Gefühl auf der Stelle zu treten treibt ihn weiter. So landet er erneut in L.A. - wieder pleite und allein. | |
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Ich konnte mich nicht dazu bringen, die Stellenanzeigen zu lesen. Die Vorstellung, wieder einem Mann an seinem Schreibtisch gegenüber zu sitzen und ihm zu sagen, dass ich einen Job wollte und die nötige Qualifikation dafür mitbrachte, war einfach zu viel für mich. Ehrlich gesagt, ich hatte einen Horror vor dem Leben; vor dem, was ein Mann alles tun musste, nur um essen und schlafen und sich was zum Anziehen kaufen zu können. Also blieb ich im Bett und trank. Wenn man trank, war die Welt zwar immer noch da draussen, aber wenigstens hatte sie einen im Augenblick nicht an der Kehle. | |
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So geht es immer weiter. Chinaski nistet sich kurze Zeit bei einem reichen Yachtbesitzer ein, findet beim Job
eine verwandte Seele, ein Typ, mit dem er auf Pferde wettet, verliert den Job wieder, genauso wie eine
Hausmeisterstelle im Times Building. Er lernt eine Frau kennen, die noch verlorener zu sein scheint, als er. Sie heisst Jan (Im wirklichen Leben war es Jane Baker - die Wanda aus "Barfly", Betty aus "Der Mann mit der Ledertasche".) und ist ständig besoffen. |
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Ich hielt den Job bis Ende Dezember durch. Dann kam die Weihnachtsparty. Da sollte es zu essen und zu trinken geben, Musik und Tanz. Ich hatte für Parties nichts übrig. Ich konnte nicht tanzen, und Leute konnte ich auch nicht um mich haben, ohne durchzudrehen; besonders Leute auf einer Party. Die versuchten immer sexy und ausgelassen und witzig zu sein, und obwohl sie sich alle Mühe gaben, klappte es irgendwie nicht. Im Gegenteil, sie strengten sich so sehr an, dass sie alles nur noch schlimmer machten. Deshalb fiel es mir nicht schwer, auf die Party zu verzichten, als Jan sich an mich kuschelte und sagte: "Scheiss auf die Party, bleib zuhause bei mir, wir saufen uns hier einen an." An unserem ersten Arbeitstag nach Weihnachten hörte ich das eine oder andere von der Party. Little Eddie sagte: "Christine hat geheult, als du nicht aufgetaucht bist." "Wer?" "Christine. Die kesse kleine Mexikanerin." "Wer is'n das?" "Sie arbeitet am hinteren Fliessband." "Red keinen Scheiss." "Doch! Sie hat geheult und geheult. Und jemand hat ein grosses Bild von dir und deinem Ziegenbart gemalt und an die Wand gehängt und druntergeschrieben 'Gebt mir noch einen Drink!' " | |