Vorliegender Artikel wurde entnommen: In den Anthologien "Fuck You" und "Acid" tauchen Ende der sechziger Jahre im Rahmen der Rezeption zeitgenössischer US-Underground-Kultur erstmals Gedichte Bukowskis auf dem deutschsprachigen Buchmarkt auf. Als dann 1970 ein Buch Bukowskis in deutscher Übersetzung erscheint, nämlich "Aufzeichnungen eines Aussenseiters", weckt dies zwar das Interesse der Literaturkritik, die den Band als eminent politisches Werk bewertet, doch wird es zu einem kommerziellen Misserfolg. Erst mit dem Erscheinen von "Der Mann mit der Ledertasche" und "Gedichte die einer schrieb, bevor er im 8.Stockwerk aus dem Fenster sprang" im Jahre 1974 erregt Bukowski breiteres kommerzielles Interesse. Insbesondere von Literaturkritikern aus den Reihen der Alternativszene wird er von nun an enthusiastisch gefeiert als Gegenpol zur als 'blutleer' und 'saft-und-kraftlos' empfundenen deutschen Gegenwartsliteratur. Durchwegs wird von der Kritik der Protagonist der Texte Bukowskis gleichgesetzt mit dem Autor selbst. Bukowskis Texte werden rezipiert als Erlebnisliteratur eines Angehörigen der amerikanischen Unterschicht. Entscheidend geprägt wird das Bild Bukowskis von Carl Weissner, seinem deutschen Übersetzer und Agenten, der ihn im Vorwort zu "Gedichte, die einer schrieb..." schildert als dichtenden 'Tough Guy' vom Schlage Hemingways. Mit dem zunehmenden Erfolg Bukowskis bei der Käuferschaft und der Literaturkritik einher geht seine Vereinnahmung durch deutschsprachige Nachwuchsautoren, die sich in ihren Texten bewußt an Bukowski anlehnen, dabei jedoch selten über das Stadium der Epigonalität hinausgelangen. Der Durchbruch auf breitester Ebene gelingt Bukowski in Deutschland Ende der siebziger Jahre. Dies ist vor allem bedingt, durch die massive Werbung des Verlages Zweitausendeins, unter dessen Obhut sich seine Werke zu Bestsellern entwickeln. Bukowski wird zu einem beliebten Sujet der bürgerlichen Feuilletons, ohne jedoch an Attraktivität für die Alternativszene zu verlieren. Vor allem von feministischen Kritikern/Kritikerinnen wird ihm der Vorwurf entgegengebracht, ein männlichkeitsfanatischer Chauvinist und Sexist zu sein. Andere wiederum sehen in seinen Texten ausgesprochene Zeugnisse von Sensibilität und Emotionalität. Als Bukowski 1978 die Bundesrepublik bereist, sorgt dies für ein außergewöhnlich großes Echo in den Medien. Bei seiner Lesung in Hamburg wird er gefeiert wie ein Popstar - ein in der Kulturgeschichte der Republik wohl einzigartiges Ereignis. Ab 1979/80 werden die bei der Literaturkritik bisher vorherrschenden Töne abgelöst durch eine zunehmend versachlichte Diskussion. Auf dem Buchmarkt wird sein Werk zu einem lukrativen Geschäft. Aus dem Underground-Autor ist ein Bestseller-Liferant geworden. Die Taschenbuchausgaben seiner Bücher entwickeln sich zu Longsellern. Kommerziell weniger erfolgreich, von der Kritik aber heftig diskutiert sind die Transpositionen von Bukowski-Stories ins Film- bzw. Comicmedium. Mit dem 1983 erschienenen Roman "Das Schlimmste kommt noch Oder Fast eine Jugend" schliesslich erlangt Bukowski endgültig die Reputation eines seriösen, ernstzunehmenden Schriftstellers. Seine Texte werden fortan nicht mehr als reine Provokation empfunden, sondern als literarische Zeugnisse eines Klassikers der nordamerikanischen Nachkriegsliteratur. Auffallend ist, dass Bukowski, trotz seiner offensichtlichen Beliebtheit bei den Lesern und bei der Literaturkritik, bislang von der Literaturwissenschaft - und zwar weltweit - geschnitten wird. Keine autoritative Biographie liegt vor, wissenschaftliche Monographien über Bukowski sind an den Fingern einer Hand abzuzählen, Bibliographien unvollständig bzw. veraltet. Es ist ein weites Feld, das hier der Amerikanistik und der Komparatistik harrt. Es wird die vorliegende Untersuchung nicht die letzte Arbeit über Bukowski gewesen sein. Literatur: - Schmidt, Horst: "It's good to Be Back - ein Outsider und seine deutschen Leser", Maro Verlag, Augsburg, 1991 (1988). - Rygulla, Ralf-Rainer (Hg): "Fuck You (!)", Melzer, Darmstadt, 1968. - Brinkmann, Rolf Dieter und Rygulla, Ralf-Rainer (Hg): "Acid", Schlechtwegen, Berlin, 1969. - Weissner, Carl: "Der Dirty Old Man von Los Angeles" in: Bukowski, Charles: "Gedichte die einer schrieb, bevor er im 8.Stockwerk aus dem Fenster sprang", Maro Verlag, Augsburg, 1990 (1974). ...inzwischen beginnt sich die Literaturwissenschaft langsam für Bukowski zu interessieren. Als Einstieg in fundierten biografischen Fragen empfehlen wir das derzeit leider nur in Englisch erhältliche Buch: - Sounes, Howard: "Charles Bukowski - Locked in the Armes of a Crazy Life", Grove Press, New York, 1999. |